Vereinsziel
Das Polyamore Netzwerk (PAN) unterstützt Menschen, die in einvernehmlichen und verantwortungsvollen Liebesbeziehungen zu mehreren Menschen leben oder dies anstreben. Der eingetragene Verein, 2008 gegründet, ist im deutschsprachigen Raum aktiv. Er hat derzeit etwa 80 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mehrmals im Jahr organisiert PAN überregionale Treffen für polyamore Menschen.
Polyamore Lebensformen sind gesellschaftlich wenig anerkannt, oft wird ihre Möglichkeit in Frage gestellt. Über Jahrhunderte galt in Europa das Ideal der ausschließlichen Liebe (oder ehelichen Verbindung) zwischen einem Mann und einer Frau. Dieses Ideal wirkt bis heute und findet seinen Niederschlag in juristischen und institutionellen Strukturen, in Auseinandersetzung mit fremden Kulturen, in der öffentlichen Beurteilung des Lebenswandels eines Menschen oder der psychologischen Einschätzung seines Liebeslebens. Nicht nur unsere Ehe-, Familien- und Sozialgesetzgebung sind auf die klassische monogame Beziehung zugeschnitten, unsere Alltagskultur bietet nur wenig Möglichkeiten zu Wissensvermittlung und Unterstützung bei der Gestaltung polyamorer Lebensweisen. Weil sie Missverständnisse, Ansehensverlust oder gar Ausgrenzung befürchten, entscheiden sich viele Menschen, die polyamore Lebensweisen bevorzugen, dies nur innerhalb eines engen Kreises von Freunden und Verwandten bekannt zu machen.
Das Polyamore Netzwerk informiert über polyamore Lebensweisen und setzt sich in der Öffentlichkeit für den Abbau von Vorurteilen und Missverständnissen ein. Es vermittelt Ansprechpartner an Presse und Medien, die bereit sind, über die Liebe im Plural Rede und Antwort zu stehen. Es veranstaltet Treffen und Tagungen, um polyamoren Menschen eine Gelegenheit für Begegnung und Austausch unter Gleichgesinnten zu geben. Über verschiedene Vereinsmedien können sich Interessierte miteinander vernetzen und in Kontakt treten.
Das Netzwerk erhebt keinen Alleinvertretungsanspruch für polyamore Menschen im deutschsprachigen Raum, sondern versteht sich als ein Kondensationspunkt im vielstimmigen Chor polyamorer Lebensweisen. Das Engagement der Mitglieder und des Vorstands ist ehrenamtlich. Der Verein verfolgt keine kommerziellen Interessen.
Gründe für die Gründung des Netzwerks
Der Verein ist nicht aus der Sehnsucht nach Vereinsmeierei entstanden, sondern aus praktischen Bedürfnissen der Selbstorganisation. Nachdem bereits seit einigen Jahren in diversen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz regelmäßige lokale Stammtische und einzelne regionale Treffen stattfanden, wurde im April 2008 ein erstes überregionales Treffen für den deutschsprachigen Raum mit etwa 50 Teilnehmern veranstaltet. Es zeigte sich, dass der Zuspruch so groß war, dass weitere und größere Treffen ohne weiteres geplant werden konnten.
Da viele Tagungshäuser nicht an Einzelpersonen vermieten, die Treffen bisher haftungsrechtlich unabgesichert waren und die Verwaltung der Ein- und Ausgaben über Privatkonten lief, bot es sich an einen Verein zu gründen, der als organisatorischer Ansprechpartner für die überregionalen Treffen dient.
Auch das erstarkte Interesse der Öffentlichkeit an dem Schlagwort "Polyamorie" legte einen Verein nahe. Die gehäufter auftretenden Anfragen von Journalisten und Talkshows sollten organisierter an Interessierte vermittelt werden und zugleich Informationen, welche Anfragen einen seriösen Hintergrund haben, besser an mögliche Ansprechpartner weitergeleitet werden. Es hat sich zudem in einigen Internet-Foren gezeigt, dass es sinnvoll ist, wenn Mailinglisten, Foren o.ä. einen Träger haben, der unabhängig von Einzelpersonen die presserechtliche Verantwortung übernehmen kann.
Der Verein sieht seinen Zweck nicht darin, polyamore Lebensweisen als bessere Lebensform zu propagieren.
Jenseits der Tatsache, dass für polyamore Beziehungen Gleichberechtigung, Ehrlichkeit und Einvernehmlichkeit notwendige Voraussetzungen sind, besteht zudem nicht der Anspruch festzulegen, wie Polyamorie gelebt werden soll.
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